Mal schaun was draus wird

 

* Startseite     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt




Webnews







Scherben bringen Glück

Klein und unbedeutend lag sie in einem Bett von vielen. Sie wurde nicht bemerkt... wieso auch?
Wann bemerkt man schon ein Kind, das wimmernd in seinem Bett liegt? Wann bemerkt man ein Kind, das ein blutiges Nachthemd hat?
Bis sie einschlief... immer und immer wieder sah sie es. Sie konnte es einfach nicht vergessen... es hatte sich so tief in ihre kleine Seele eingegraben.

So lebte sie mit diesen Erinnerungen... jeden Tag vergaß sie es ein kleines bisschen mehr, bis es ganz aus ihren bewussten Gedanken verschwunden war.
Aber Nachts wachte sie immer noch ab und an auf, schreiend, weinend, hilflos, ohne jegliche Orientierung... dann war es wieder so weit, dass sie die Tür zu ihrem Unterbewusstsein mal wieder ein klein wenig geöffnet hatte und Grauen Gestalt in ihren Träumen fand.
Auch diese Träume wurden immer weniger... bis sie sie als Kindheitsträume abtat. Normal sein war Mode und so konnte sie sich darüber keine Gedanken machen, denn das war falsch, das machte man nicht, wenn man normal war... Sagte sie sich und schob alles weg.

Bis es nicht mehr ging, bis sich ihre Erinnerung in ihre Gedanken fraß... sie jedes Mal näher an den Wahnsinn brachte... was sollte sie tun? Sie konnte so nicht normal sein, auch nicht normal werden... also suchte sie nach einer Möglichkeit zu vergessen... sie fand so schnell keine und ihre Maske von dem perfekten Mädchen bröckelte immer mehr von ihrer schreienden Fassade herunter. Angst bemächtigte sie Tag für Tag aufs neue... hoffentlich sah niemand ihre Furcht... hoffentlich sah niemand ihre Abartigkeit... ihre Fehler... ihre Mäkel... ihr widerliches Wesen. Sie wollte doch nur normal sein, nur dazu gehören... eins sein mit der Masse.

Ihre Verzweiflung wuchs... Bilder kamen immer häufiger hervor und bemächtigten sich ihres Verstandes. Sie wollte es nicht akzeptieren, sie wollte es nicht wahr haben, es konnte einfach nicht sein und als sie in völliger Verzweiflung hinauslief und nur noch rennen wollte, nur noch vor diesen Gedanken und Gefühlen fliehen... da fiel sie und schnitt sich an einer zerbrochenen Flasche... auf einmal waren alle bösen Gedanken und Gefühl fort... Wie konnte dies sein?

Verwundert setzte sie sich auf und griff nach der Glasscherbe. Sie glitzerte so schön in ihrer Hand und das Blut, das an einer ihrer Kanten schimmerte war so wunderschön und es gab ihr das Gefühl, dass sie damit endlich etwas losgeworden war. Sie steckte die Scherbe ein. Es fühlte sich gut an... so sicher.

Wochen vergingen... normal wie sie es wollte war sie und konnte sie sein. Es war so einfach... wenn ein ekeliger Gedanke in ihrem Kopf rumschwirrte, dann tötete sie ihn... sie nahm die Scherbe und wurde ihn los. Keiner fragte sie nach den Schnitten an ihrem Körper. Sie waren einfach da. Und es wurden immer mehr, auch dann fragte keiner, aber die Normalen sonderten sich ab, sie wurde nur noch gelegentlich in  ihrer Nähe akzeptiert. Es war ihr egal... sie brauchte ja nur die Glasscherbe und schon war alles wieder gut, dann ging es ihr wieder gut und es machte ihr nichts aus... es gehörte einfach dazu, es war normal, es musste so sein.

Sie hatte keine Angst, es machte ihr nichts mehr Angst, sie konnte sich beherrschen und die Sachen, die sie störten einfach... herausschneiden... ganz einfach entfernen. Dazu bedurfte es keiner besonderen Kenntnis. Es bedurfte nur des Schmerzes.

Sie sah es nicht... sie sah es einfach nicht kommen und dann, als es so weit war... ließ sie sich einfach mitreißen... oder sollte ich sagen... aufreißen?

 

23.2.07 17:09
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung