Mal schaun was draus wird

 

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A Ophelia-Story

Trüber, wolkenloser, blaugrauer Himmel, Baumkronen – schwammig grünbraun, krank -, schwappende, brackige Wassermassen, totes Ufer, sterbende Tiere.
Leichtes Gleiten, leichtes Ziehen, immer neue Risse in der nassen Kleidung.

 

Dein weißes Kleid, dein wunderschönes Hochzeitskleid, nun grau, schmutzig, schlammig, keinerlei Erhabenheit mehr in deinem Blick, in deiner Haltung. Jedes Hindernis lässt eine wabernde Bewegung durch deine Körper wandern. Du bist so widerlich und dafür liebe ich dich. Meine Hand streicht durch dein feuchtes Haar. Es klebt auf deinem Gesicht, aber fächert sich um deine Gestalt wie ein Umhang, so grausam skurril und falsch, doch so mag ich dich am Liebsten. Das weißt du und deine kalten Lippen ziehen sich nur für mich zu einem liebevollen Lächeln auseinander. Ich weiß, dass du mich begehrst. Ich weiß, dass du mich liebst. Ich weiß, dass du meine Obsession hasst. Ich weiß, dass du mich betrügen wirst, nur um mir wieder einen Dolch zwischen die Rippen stoßen zu können. Ich werde es nicht noch einmal zulassen, dass du diesen auch noch herumdrehst.
Ich liebe deine verschleierten Augen, deinen trüben Blick, deinen Gesichtsausdruck, der mir sagt, dass du dich mir voll und ganz hingeben wirst. Ich liebe alles an dir und deswegen bist du mein. Kein anderer wird mehr Hand an dich legen, ich werde dies zu verhindern wissen.
Du bist so wunderschön in deinem Kleid, mit deinem zerzausten Haar und dem verwischten Make-up. Deine Perfektion kannst du hier nicht mehr halten, weil ich es nicht will, du wirst so sein, wie ich dich will und kein bisschen anders. Hast du das verstanden?
Meine Schuhe sind so schmutzig und das alles nur wegen dir, weißt du eigentlich was ich alles für dich auf mich nehme? Diese Schuhe habe ich auf unserer Hochzeit getragen, so wie du deine...  aber deine sind ja auch reichlich dreckig, dass macht dann auch nichts mehr, wenn meine nicht mehr so glänzen, wie sie es einmal taten.
Du liebst mich, nicht wahr? Sonst wären wir nicht hier, oder?
Du musst mich lieben, du musst mich auch so lieben, wie ich dich liebe. Du kannst es mir nicht antun, dass du mich nicht so sehr liebst. Nun sag es schon, sag mir, dass du mich liebst. Oder wieso hast du gestern wie eine Straßenhure gestöhnt?
Woher ich weiß wie eine Straßenhure für ihre Kunden schreit? Weil ich dich liebe und ich dich nicht bedrängen wollte, es ist deine Schuld, ich hätte dich nie betrogen  und das weißt du ganz genau. Leugne es nicht!
Nein, das tust du schon nicht, nicht wahr? Du liebst mich ja, deswegen weißt du, dass du an allem Schuld bist, nicht wahr? Du weißt, dass es nie so weit hätte kommen müssen. Ich liebe dich und das wird sich nie ändern. Nie, mein Schatz.
Aber wieso hast du in unserem Bett mit diesem widerlichen Kerl gevögelt, dich wie die billigste Bumbspuppe unter ihm gewunden? Bin ich dir nicht gut genug? Wieso hast du dann noch am selben Abend dich von mir hart nehmen lassen? Wieso? Wieso hast du geschrien, dass ich aufhören sollte? Du hast ihm gesagt, dass du es hart magst, nun bekommst du es hart und nun schreist du. Ich hasse dich.
Nein, Schatz, ich liebe dich, von ganzem Herzen. Du bist Schuld, dass wissen wir beide. Ich hätte niemals mit dieser Hure schlafen müssen, wenn ich nicht diesen Verdacht gehabt hätte und es hätte nie so weit kommen müssen, wenn du diesen Verdacht nicht auch noch bestätigt hättest. Ich liebe dich doch und ich habe dies alles nur aus Liebe getan. Du weißt doch, dass ich mich ab und an nicht zügeln kann, dass eine Sicherung bei mir durchbrennt und ich dann nur noch den Hass in mir habe. Du weißt doch, dass ich dich ewig lieben werde. Das wird kein Hindernis sein. Nein, ganz bestimmt nicht.
Aber ich werde dafür sorgen, dass dies nie wieder passiert. Das weißt du, nicht wahr?
Ich konnte nichts dafür, du hast mich so wütend gemacht und da musste ich einfach handeln.
Aber dein Hochzeitskleid steht dir immer noch, das wusste ich schon immer. Und sieh! Mein Trauanzug passt auch noch, ich habe nicht so sehr zugenommen, wie du immer behauptest hast.

Oh, ich muss noch einmal deinen Körper spüren, noch ein letztes Mal, dann werden wir glücklich sein...  für immer...

 

Und so ging der unsterblich Liebende in den Fluss hinein, gesellte sich zu seiner kalten Schönheit und legte sich mit ihr zur letzten unendlichen Nacht nieder. Auf das niemand sie anrühre...

 

11.3.07 20:00
 


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